Erfrischende Erkenntnis, dass die Bürokratie noch bürokratischer sein kann als in Deutschland. Hier hatte ich ja schon meinen Stress mit dem Zoll; sei es, weil ich eine Bluetooth-FSE für’s Auto aus der Schweiz importiert habe, oder weil ich mit Computerhardware zu einem Kunden auf eine Messe nach Luzern musste (Stichwort: Carnet ATA).
Manche Behörden in Deutschland sind aber erstaunlich unbürokratisch in Sachen Kommunikation und Problemlösung; positiv herborheben möchte ich hier die drei Finanzämter, mit denen ich bisher zu tun hatte.
Wenn ich meiner Freundin zum Geburtstag ein großes Paket voller Geschenke schicke, ist das für den australischen Zoll auch noch kein Akt. Alles unter 1’000 australischen Dollar wird durchgewunken. Den Wert der Gegenstände gibt man einfach in der Zollinhaltserklärung an, und wenn es plausibel ist, keine große Sache.
Bei Lebensmitteln gibts aber die Unterabteilung für Quarantäne und Inspektion (frei übersetzt). Und selbst bei einigen haltbaren, kommerziell hergestellten, luftdicht verpackten Sachen machen die Probleme. Da gibt es einen Katalog an Vorschriften, und der ist – da kommen wir zur Bürokratie – in sich total sinnlos. Ich nehme jetzt mal ein hypthetisches Beispiel: Kekse. Wenn ich trockene, in Folie eingeschweißte Kekse nach Australien schicke, dann ist das kein Problem. Nehme ich aber dieselbe Art Kekse von einem anderen Hersteller, genausolange haltbar, genausogut eingeschweißt, ABER der Hersteller hat in seinem Teig 18% anstatt 10% von Grundzutat XYZ verwendet, ja dann muss ich da ganz förmlich einen Antrag auf Importerlaubnis stellen. Egal, ob ich ne 150gr Packung verschicke, oder ein Containerschiff davon im Hafen einlaufen lasse. Für diesen Importantrag brauch ich Unterlagen von meiner Regierung und vom Hersteller. Die Prüfung der ware und der Unterlagen wird mit A$35 pro angefangene 15 Minuten berechnet. Obwohl dieselben Kekse mit weniger Anteil von Zutat XYZ problemlos importiert werden dürfen – unabhängig von der Packungsgröße.
Ja, und im anders als bei manchen vorbildlichen deutschen Behörden kann man auf eine Antwortemail aus Australien locker mal drei Tage warten. Und jedesmal antwortet – wenn auch nett und recht hilfreich – jemand anderes.
Und das ärgerliche an so einer Bürokratie ist: Der Zweck wird verfehlt. Weil es in sich schon unlogisch ist. Wenn Zutat XYZ gefährlich ist, dann verbietet es halt. Aber nicht, wenns 11% anstatt 10% sind. Das versteht keiner, und ich gehe jede Wette ein, dass das wissenschaftlich erwiesen ist /werden kann, dass diese Regelung unsinnig ist. Und wozu führt das? Der ehrliche, unbescholtene Paketeschicker könnte in die Versuchung kommen, bei der Inhaltsangabe zu schummeln. Was dann den Nutzen einer “Quarantäne und Inspektions”-Behörde völlig eliminieren würde. Wäre die Kommunikation und die Kundenorientierung gut, dann würde auch niemand etwas in Frage stellen und schummeln. Und ohne Schummeln kommt auch nichts wirklich Bedenkliches ins Land.
Ach ja, das erinnert mich irgendwie an die EU und die Gurken:
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:31988R1677:DE:HTML