Verlage gegen Google gegen X

In den USA als auch in Deutschland sind viele Medienhäuser nicht gut auf Google zu sprechen. Und zwar weil Google deren Websites (meist die Internetauftritte von Zeitungen und Zeitschriften) indexiert und auch einzelne Artikel unter news.google.de verlinkt. Auf den Sucheseiten von Google und Google News verdient Google Geld mit Anzeigen. Das war schon immer so – doch seit einigen Jahren geht es Zeitungen und Zeitschriften finanziell immer schlechter. Die Werbeeinahmen sinken, die Leser kaufen weniger Printprodukte, weil es online ja alles umsonst gibt.

Und nun wollen die Verlage an Googles Werbeeinnahmen beteiligt werden. Denn – so der abenteuerliche Vorwurf – würden die Verlage nicht mit teuren Journalisten hochwertigen Inhalt ins Internet stellen, dann würde auch keiner danach suchen, Google nix indizieren, und folglich hätte Google auch keine Werbeplattform.

Google kontert: „Na ja, wenn ihr eure Seiten aus Google ausschließen wollt, müsst ihr nur eure Server (robots.txt) entsprechend konfigurieren“.

Das wollen die Verlage natürlich auch nicht. Denn entsprechend Google Marktführerschaft von deutlich über 80% in beiden Ländern kommen auch deutlich über 80% der Sucher von Google zu den Verlagswebsites. Auf denen die Verlage natürlich mit Werbung Geld verdienen. Und wer davon abhängig ist, dass viele Menschen seine Websites ansurfen, der verliert nicht gerne bis zu 80% seiner Besucher.

Aufgrund einer Diskussion beim werbeblogger, bei der ich einen ziemlich langen Kommentar verfasst habe, will ich meine Meinung natürlich auch hier weitgehend wortidentisch veröffentlichen.

Spontan hätte ich ähnlich gesprochen: „Wer ein Problem mit Google hat … robots.txt und so weiter.“

Eben das, was der gesunde Menschenverstand instinktiv sagen will.

Andererseits muss man aber die Kehrseite sehen. Google hat mit seinem Quasimonopol eine marktbeherrschende Stellung. Auch wenn im Suchmaschinenmarkt kein Geld von den Nutzern an Google fließt.

Und Google nutzt sein Monopol. Ich will nicht missverstanden werden; ich kann keine klare Position beziehen, aber auf jeden Fall bin ich nicht auf Seiten der Verlage und die Idee, dass Google die Anzeigenumsätze teilen soll, finde ich absurd. Es sei denn, die Verlage werden wiederum an den Kosten für Googles Rechenzentren beteiligt. ;-)

Aber zurück zum Monopol. In den 90er Jahren konnte man sich auch nicht hinstellen und sagen: “Wer ein Problem mit Microsoft hat, soll halt ein anderes Betriebssystem installieren”. Gab es nämlich nicht wirklich. Es gab Spielwiesen für eine Handvoll Technikinteressierte (Linux) und die Druckindustrie (Apple Macintosh, hatte ich auch sechs Jahre lang) – aber für 99% der User war nichts davon eine Option. Das einzig brauchbare Clientsystem war nun mal Windows. Das einzige System, für das Software geschrieben wurde. Und dadurch kam es zum Lock-In. Selbst wer wollte, konnte nicht weg. Schließlich war die ganze Software für Windows teuer erworben. An der Stelle einen verständnisvollen Gruß an die iPhone User mit ihren vielen Bezahl-Apps. :chuckle:

Und so ist es mit Google. Der Unterschied besteht darin, dass die Konkurrenz gleichwertig ist (ich hab’s nicht wissenschaftlich getestet, aber ich denke, mit BING finde ich auch, was ich suche), aber die absolut deutliche Mehrzahl an Suchenden nun mal Google verwenden und erst damit das Monopol schaffen. Die Webseitenbetreiber haben aus ökonomischen Gründen nicht die Freiheit zu sagen, dass es ihnen reicht, bei BING (Yahoo und so) gefunden zu werden.

Und jetzt kommt mein Dilemma: Ob und wie dieses Monopol entmachtet werden soll, das kann ich nicht sagen.

Immerhin ist es ein Riesenvorteil für die Suchenden, für die Werbetreibenden, für die Nutzer der kostenlosen und meist hervorragenden Googledienste.

Und andererseits: Wäre der Suchmaschinenmarkt gleichmäßig unter fünf großen Playern aufgeteilt, welche alle gleichwertige Suchergebnisse – ich glaube nicht, dass es den Verlagen dann besser ginge.

Momentan aber sehe ich die Gefahr, dass eine Neuauflage des Browserkrieges in Form eines Suchmaschinenkrieges bevorsteht. Bing und Google werden zukünftig Exklusivdeals mit großen Medienunternehmen abschließen. So wie Bing momentan mit Ruper Murdoch, gerüchteweise. Am Ende ist der User der Dumme: Die Hälfte der Nachrichten findet er jeweils in der anderen Suchmaschine. Und wer weiß, wenn erst einmal alle Printpublikationen ihre Websites exklusiv indizieren lassen, dann kommen als nächstes die wichtigen Portale, Foren, Web 2.0 Dinger. Exklusiv indiziert von Bing. Oder Google. Oder Apple?

Wenn man sich das mal kurz ausmalt, dann wäre das Ungleichgewicht zwischen Google und Verlage gar nicht so groß. Denn hinter BING steckt Microsoft mit ausreichend Geld, um auf Einkaufstour zu gehen. Der kurzfristige Gewinner könnten dann die armen Verlage sein, weil sich Bing und Google (und vielleicht auch Yahoo) mit Beteiligungen am Werbeerlös überbieten werden.

Ob das gut ausgeht?

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2 Kommentare zu “Verlage gegen Google gegen X”

  1. ChiefBroady
    22. November 2009 um 01:38

    Selbst bei den Exklusiv-Inhalten wäre das aktuell kein großes Problem. Es gibt für den FF z.B. das Plugin Unified Search das mehrere Suchmaschinen abfragt. Und für nicht FF Nutzer gibt es Webseiten die das machen, bin aber zu faul jetzt eine raus zu suchen.

  2. Matthias
    22. November 2009 um 14:04

    Den Gedanken mit Metasuchmaschinen hatte ich auch. Allerdings würden bei der von mir ausgemalten Eskalation die Suchmaschinen dann einfach Metasuchmaschinen ausschließen und die Zugriffe auf ihre Such-APIs sehr gewählt zulassen. Um die Exklusivität zu wahren. Im Prinzip wären dann die Suchmaschinen in der Situation, in der die Verlage sich jetzt zu befinden meinen. Welch Ironie.

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