10 Gründe, warum Apple das iPad so richtig verbockt hat

So, das soll also “das beste, was ich je [bei Apple] getan habe” (Steve Jobs) sein. Sogar noch besser als Breakout soll es sein, das neue Apple Tablett.

Ist es nicht. Als vernünftiger und objektiver Applekritiker hatte ich nicht viele Erwartungen an das neue Gerät. Aber selbst diese wurden noch unterboten. Fangen wir einfach mal an, was so richtig misslungen ist:

  1. Bildschirm. 1024 x 768. Mag bei Apple.com auch “widescreen” stehen, das ist ganz banales 4:3. So ziemlich alle Filme werden also schwarze Balken haben. Oder “Pan & Scan”.
  2. Der Rahmen um den Bildschirm. Hässlich. Unnötig. “Damit man nicht aus Versehen auf den Bildschirm kommt und Aktionen auslöst, wenn man es in der Hand hält” – zählt nicht als Argument. Das hätte man Softwaretechnisch eleganter lösen können. Haben andere Hersteller gezeigt.
  3. Das 3G Datenmodem (keine Telefonfunktionalität) ist zwar “unlocked”, aber kann nur microSIM Karten lesen. Außer AT & T benutzt die sowieso kein Provider. Wobei: Noch nicht.
  4. Geschlossenes System. Dank iPhone OS 3.2 wieder Zwangsbindung an iTunes und Apple. Keine freien Programme und beliebige Audio-/Videocodecs.
  5. Der Name: “iPad”. http://jezebel.com/5458338/that-time-of-the-month-the-internets-best-period+related-ipad-jokes (Ich räume ein, als Deutscher war mir das nicht bewusst.)

    Und jetzt komme ich erst zu den wirklich krassen Fehlern:

  6. Anschlüsse: Keine. Nur einen propertiären Dockanschluss und 3,5mm Kopfhöreranschluss. Für alles andere braucht man Adapter. Jawohl, um USB anzuschließen (Digitalkamera, Speichermedien) braucht man einen Adapter. Einen Adapter um USB zu haben. Einen Videoausgang (HDMI, Displayport) sucht man auch vergebens.
  7. Der Akku ist fest eingebaut. Was man ja bei einem nach-zwei-Jahren-wegwerf-iPhone noch wegdiskutieren kann, geht bei einem als Netbook gehandeltem Gerät nicht mehr. Das muss länger können, und damit wartungsfreundlicher sein.
  8. Kein Stylus mit Handschrifterkennung. Im Ernst, Apple: Ihr wart dort Vorreiter. Beim Newton 2000 hat das schon sensationell funktioniert. Wer will auf einem Tablet Computer (egal von welchem Hersteller) mit einer Bildschirmtastatur tippen? Das geht nur wenn es a) auf dem Tisch liegt, oder wenn man b) auf der Couch liegt und die Knie angezogen hat. Und HTC hat gezeigt, das es auch Plastikstifte gibt, die auf kapazitiven Bildschirmen funktionieren.
  9. Keine Kamera. Mikrofon ja, Minilautsprecher ja, Kopfhörer ja, aber keine Kamera? Wie sehr würde das rocken, auf so einem Ding Skype (oder iChat) Vidokonferenzen zu haben? Das wäre ziemlich Star Trek, oder? Wie um alles in der Welt kann man sowas nicht vom ersten Tag an ins Lastenheft schreiben?
  10. Kein Multitasking. Email und Facebook gleichzeitig? Geht nicht. Twitter und Skype gleichzeitig? Geht nicht. Browser offen haben und mal parallel ein PDF angucken? Geht nicht. Ein Programm, mehr geht nicht. Das ist – bei allem Respekt – idiotisch.

Der Preis – 500 bis 830 Dollar – ist wie immer zu hoch. Da empfehle ich doch das hier. Für 100 Euro würde ich es mir ehrlich gesagt noch überlegen. Als kleiner Webbrowser für die Couch / den Nachttisch. Aber das geht nun mal gar nicht. Nicht bei den gravierenden Designfehlern.

Und so coole Features, wie ich sie erwartet habe – z.B. eine Steuerung des Heimrechners oder zumindest von Apple TV, also irgendetwas, was naheliegend ist, fehlen völlig. Na ja, aber es hat ja einen Kompass. Wird ziemlich intelligent aussehen, mit dem iPad in der Horizontalen durch eine Fußgängerzone zu navigieren. ;-) – Achso, GPS-Empfänger nur in der teureren 3G Variante. Weil der Bestandteil des Modems ist, logischerweise.

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7 Kommentare zu “10 Gründe, warum Apple das iPad so richtig verbockt hat”

  1. Daniel
    28. Januar 2010 um 08:37

    USB und Kamera kommen sicherlich mit den nächsten Hardware-Generationen, so motiviert man Käufer zum Neukauf. Bindung an den App-Store macht aus Apple-Sicht auch Sinn… Aber für den Anwender sind dies wirklich bescheuerte Nachteile, somit kann ich mich deiner Sicht nur anschließen…

  2. Andy Macht
    28. Januar 2010 um 11:43

    Die Tatsache, dass ein Internetnerd ein Gerät nicht versteht, dass nicht für Internetnerds ist, zeigt, dass er ein Internetnerd ist. ;)

    Obwohl ich in einigen Punkten bei dir bin (Es fehlen dem Gerät mindestens ein MiniDisplayport-Ausgang und eine Kamera) sind die teilweise absoluter Quatsch:

    2. Unfug. Warum fehleranfällige Softwärelösungen, wenn die einfache Lösung des Rahmens da ist?
    3. m.E. an den Haaren herbeigezogen. Jetzt sind da schon (zugegeben neue) Standard-Karten und kein SIM-Lock drin und es wird immer noch gemeckert.
    4. Das geschlossene System hilft DAUs ein System zu haben, dass sie Softwareseitig nicht kaputt machen können. Auch wenn es nicht meinem Ideal einer Plattform entspricht.
    5. Das soll ein Grund sein, dass Tablet „so richtig verbockt“ zu haben?
    7. Der fest verbaute Akku in den aktuellen MacBooks hält deutlich länger als zwei Jahre und ich behaupte mal, man nutzt die gleiche Technik.
    8. Die Tastatur will ich erst beurteilen, wenn ich sie in der Hand hatte.
    10. auch nur Teilweise richtig, ein PDF kann man sehr wohl in Safari anschauen.

    Unterm Strich scheinen weder du noch ich zur Zielgruppe zu gehören. Aber diese Auflistung macht mir eher den Eindruck von jemandem erstellt worden zu sein, der sich das Teil auch nicht kaufen würde, wenn alle o.g. Punkte erfüllt wären.

  3. Matthias
    28. Januar 2010 um 13:30

    @ Andy: Wie du siehst, habe ich die Gründe in zwei Gruppen aufgeteilt. Man mag über die Zuordnung diskutieren, und jetzt würde ich die Reihenfolge selbst schon wieder ändern, aber es soll grob die Einteilung sein: 1.-5. = ärgerliche Fehler, 6.-10. absolute, inakzeptable Fehler / Kaufhinderungsgründe.

    Was mich zu deinem Kommentar bringt:
    Klar, 5. ist außerhalb des englischen Sprachraums egal. Aber es ist schon bemerkenswert. Würde mich persönlich nicht stören, wenn mir jemand so ein Ding schenkt (oder ichs irgendwo gewinnen würde).

    Zu 2.: Weil der Rahmen eben – Geschmackssache, daher Gruppe eins – schei… plump aussieht. Man hätte den Rahmen ja – wie beim iPhone auf zwei Seiten beschränken können.
    zu 3.: Find ich extrem gut, den Grund. Ein Simkartenslot, der keine normale SIMkarte kann, das ist fast schon ein Grund für Gruppe zwei, auf dem Level von “kein USB Anschluss”
    zu 4. Sind wir uns ja einig. Mein Gerät, mein System. Ich will allein und autonom entscheiden, welche Software darauf läuft. Wem’s egal ist, ist es eben egal. Daher Gruppe eins.
    zu 7. Hält er auch 5 oder 7? Und was, wenn er mal kaputt geht? Da sind ja Macbook Akkus berüchtigt für. Wobei, dann geht auch das iPad in Flammen auf. Das Prinzip ist einfach falsch.
    zu 8. Egal wie gut die Onscreen-Tastatur sein wird – das Problem, das ich beurteile, ist, dass es nur die Onscreentastatur gibt. Die sich nur in sehr wenigen, teils unkomfortablen Haltungen bedienen lassen wird. Es gibt ja auch schon von Apple eine externe Tastatur. Aber eine Handschriftenerkennung liegt bei einem Tablet eben näher. Das muss eingentlich sein.
    zu 10. Gut, kann man PDF im Safari gucken. Ist dieses eine von tausenden Problemen mit fehlendem Multitasking gelöst. Trotzdem ist fehlendes Multitasking bei einem Gerät dieser Größe quatsch.

    Und ich muss dich enttäuschen. Wenn diese gravierenden Mängel nicht wären, dann würde ich tatsächlich darüber nachdenken, ob der Preis gerechtfertigt ist. Wegen Kaufinteresse. Habe ich ja im letzten Absatz geschrieben.

  4. Twitter Trackbacks for bessrblog » 10 Gründe, warum Apple das iPad so richtig verbockt hat [bessr.de] on Topsy.com
    29. Januar 2010 um 12:06

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  5. Thomas Bejga
    29. Januar 2010 um 13:02

    Hi Matze altes Haus,

    Wow Du musst ganz schön scharf gewesen sein, fast so scharf wie ein hungriger Wolf der in den Hühnerstall rennt, als Du den Blogeintrag geschrieben hast:-).

    Die Vorwurfsliste ist lang und ich werde aus Zeitgründen garnicht erst anfangen alle dieser Gründe zu wiederlegen. Mir geht es nur darum eine andere Sicht aufzuzeigen sodass der Kritikthread an Objektivität gewinnt.

    Was ist das IPad? Das Ipad ist die Antwort Apples auf E-Reader von Amazon, Sony und Co. Somit kann man das Ipad auch nur mit diesen Produkten vergleichen. Sind diese Geräte denn Multitasskingfähig? Haben die den einen kleinen Plastikstift? Meines wissens nicht. Denn, die können nur Content wiedergeben, dafür wurden sie nämlich auch gebaut und genau das ist auch die Hauptaufgabe des Ipads. Content wiedergeben. Welchen Content kann ein Ipad wiedergeben? Meines Wissens Musik, Videos, Text, Photos, Spiele und als Achselzucker auch noch emails und damit alles was im Netz steht. Was kann ein “normaler” E-Reader? …! Warum hat das Ipad keine Kamera, USB-Port? Gegenfrage braucht das Ipad eine Kamera oder einen USB-Port? Ich denke nein, das Ipad ist ein Nischenprodukt und genau so wurde es auch konzipiert und realisiert. Wenn das Ipad eine Kamera und meinetwegen noch einen USB Anschluss hätte würde es andere Produkte teilweise ersetzen oder gar überflüssig machen. Somit könnte z. Bsp.: der Absatz an Iboos zurückgehen denn wofür noch ein Ibook wenn doch das Ipad alles kann. Nischenprodukte können nunmal nicht alles deshalb nennt man Sie auch so, wobei um den Bogen zu oben wieder zu spannen das Ipad wesentlich mehr kann als die Konkurenzprodukte von Amazon und CO. Am Ende kommen wir zum sensiblen Thema Preis. 600€ ich finds Ok! Kleines Beispiel was meinst Du würde passieren wenn Lindt Schokolade für 0,69 € anbieten würde? Richtig, Dir als Marketingfuchs erzähl ich hier nix neues. Das könnte jahrelanges, teurer aufgebautes Markenimage verflucht viel Schaden zufügen. Die andere Frage ist, ab wann ist ein Preis gerechtfertigt? Meiner Meinung nach bestimmt der Kunde wann ein Preis gerechtfertigt ist und wann nicht. Wenn also Applekäufer das Ipad kaufen und das werden sie, dann ist doch alles super. Einen weitereren Link in die Richtung gibt der Begriff Konsumentenrente. warum soll ich ein Produkt für 150€ verkaufen wenn ich 450€ mehr verlangen kann und immernoch alle happy sind.

    Ich finde den Blogcontent teilweise wirklich gelungen, teile aber bez. des Ipad´s absolut nicht Deine Meinung. Lass es Dir gut gehen. Schönes Wochenende und bis bald.
    MFG Thomas

  6. Matthias
    29. Januar 2010 um 14:00

    Das Ipad ist die Antwort Apples auf E-Reader von Amazon, Sony und Co. Somit kann man das Ipad auch nur mit diesen Produkten vergleichen.

    Falsch. Apple/Steve Jobs höchstpersöhnlich hat das Gerät in der Präsentation als “besseres” Netbook positioniert. Das erklärt auch den Farbbildschirm mit Hintergrundbeleuchtung. Würde man das iPad mit den eBookreader vergleichen, dann wäre nämlich ein aktiver Farbbildschirm der größte Minuspunkt. Ebookreader haben ja gerade den Vorteil, dass durch die passiven e-Ink Display ein Leseeindruck wie bei Papier entsteht. Die eBookreader sollen auch nichts anderes können (den “Que” von Plastic Logic mal ausgenommen) – deswegen kein Multitasking, keine Kamera, kein Internet und nur halb so teuer.

    Apples iPad ist / soll ein Multittalent. Mit Internet. Ein PC für Muttern. Und in der Hinsicht sind alle im Eintrag genannten Argumente zulässig und richtig.

    Natürlich finde ich es als Marketer positiv bemerkenswert, wenn Unternehmen wie Apple oder Scientology hohe Preise für ihre Güter durchsetzen können.
    Aber ich muss dir widersprechen, was den Imageschaden angeht. Apple ist schon nicht mehr exklusiv und Premium. Wieviel hundert Millionen Ipods und iPhones sind mittlerweile verkauft? Damit kann sich kein Konsument mehr abheben. Wenn du vor 5 Jahren die weißen Kopfhörer getragen hast, da hieß es noch “Oh, guck mal, der hatn iPod”. Heute stehen die weißen Kopfhörer nur noch für unterirdische Klangqualität. Aber ein iPhone hat – da es ja subventioniert nicht teurer ist als andere, bessere Mobiltelefone – jeder Normalo. Und auch sonst ist Apple längst im Mainstream angekommen: http://img.moronail.net/img/2/9/829.jpg
    Die Stagnation droht mittelfristig.
    Noch profitieren die von ihren Fans und außergewöhnlichem Sympathievorschuss. Aber Apple kann sich auch nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen.
    Apple hätte, um sein kontinuierliches Wachstum zu sichern, ein neuen “Game Changer” rausbringen müssen. So wie es der iMac, der iPod und das iPhone war. Und das ist das iPad nicht. Wenn man mal bei Twitter nach #iPad sucht, dann findet man zu 90% enttäuschte Reaktionen. Und wenn man sich das Video der Präsentation ansieht, dann herrscht bei der Demonstration des iPad im Publikum dröhnende Stille. Mehr als Höflichkeitsapplaus war nicht mehr zu holen. Natürlich wird es sich ganz gut verkaufen, aber an den Erfolg des iPhone wird es – ohne deutliche Preissenkungen – nicht anknüpfen.

    Man darf gespannt sein, was Apple mit seinen neuen, eigenen CPUs in Zukunft vorhat. Vielleicht kommt da ja ein G4-Nachfolger, der die Contentindustrie (Film, 3D Animation etc.) ob seinen Rechenpower aufhorchen lässt und Intel Angst einjagt.

  7. Matthias
    30. Januar 2010 um 11:24

    Es gibt schon erste Gerüchte, dass Apple einige der Fehler in zukünftigen Versionen ausmerzen könnte: http://www.engadget.com/2010/01/29/confirmed-iphone-os-3-2-has-support-for-video-calling-file-dow/

    Speziell geht es um die fehlenden Videokamera(s), SMS Funktionalität und der Browser könnte zukünftig das Herunterladen von Dateien unterstützen. Von letzterem wusste ich nicht, dass das nicht geht. Wer kommt auch schon auf sowas blödes? Ein Webbrowser, der keine Dateien herunterladen kann.

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