Aus dem Leben von Handysoftware-Programmierern
People will spend hours researching a $2 purchase, browsing reviews, emailing the developer, checking online forums. Then they will go to a coffee shop they’ve never been before and buy a $4 coffee. From the developer they expect unlimited support, unlimited free updates. From the coffee shop they expect nothing except mediocre coffee.
via You Guys Are Millionaires Right? | Shifty Jelly’s blog of mystery.
Finde ich ein Super Zitat. Hat der gute Mensch ziemlich recht. Ich fühle mich ertappt. Teilweise. Ich mach mir die Entscheidung bei diesen “Apps” nicht so schwer. Ich kaufe keine. Wenn ich mich 5 Minuten konzentrieren würde, dann könnte ich alle Handyprogramme aufzählen (oder Zusatzinhalte für Handysoftware), die ich für meine letzen zwei Mobiltelefone gekauft habe.
Ich mach eher bei Sachen rum, die zehn, zwanzig Euro kosten. Um dann irgendwann mal festzustellen: “Man, das sind zwei, drei Cocktails weniger im Club” Also wozu das Theater. Manchmal funktioniert dieser Vergleich für mich. :-)
Was der Autor des obigen Zitates beschreibt ist der Versuch des Kunden (grob zusammengefasst), aus einem Vetrauensgut ein Suchgut zu machen. Vertrauensgüter nennt man Güter, deren Wert man erst nach dem Kauf, oder oft nicht einmal dann feststellen kann. Beispiel medizinische Beratung. Geht ein Mann zum Arzt, der Arzt sagt, mach mal lieber so, nimmt dafür Geld, und ob der Arzt recht hat, kann man vielleicht nie wirklich sagen. Schönes Beispiel für ein Suchgut wäre Kleidung kaufen im Geschäft. Hingehen, ansehen, anfassen, anprobieren, Freunde fragen, im Internet gucken, dann doch im Geschäft kaufen. Autos fährt man vor dem Kauf auch oft Probe. Prinzip verstanden, gell?
Warum aber haben Kunden soviel Angst davor, 2$ in die vielleicht falsche App zu investieren? Aber nicht bei einem Kaffee, der das doppelte kostet?
Beim Apps, die nichts taugen, sind die zwei Dollar aus dem Beispiel komplett verschwendet. Ein schlechter Kaffee für 4 Dollar ist immerhin noch ein schlechter Kaffee, ich kann ihn runterwürgen und mich damit trösten, dass das Koffein seine Wirkung entfalten wird. Eine App, die nix taugt, kann ich nur noch löschen. 2 Dollar komplett nutzlos weg. Und nicht nur weg, sondern auch noch dem Programmierer und anteilig dem Händler zugeflossen. Vermutlich würde ich mich in so einer Situation sogar besser fühlen, wenn ich die 2 Dollar zerrissen und verbrannt hätte, dann würden sich wenigstens nicht die Falschen daran bereichern.
Was wäre nun eine mögliche Lösung des Problems? Mir fallen eigentlich nur zwei Varianten ein. Die erste, wird schon angewendet, aber speziell bei Handyprogrammen meiner Meinung nach viel zu selten, die Demoversion. Testversion, Liteversion, wie auch immer. Das Prinzip ist so alt wie kommerzielle Software selber. Vermutlich ist der Aufwand für einzelne Programmierer aber zu groß. Zweite Variante, die dem oben beschriebenen Beispiel mit dem Klamottenkauf gleichkommt: Erst installieren, dann testen, dann zahlen. Ist fast das gleiche wie Variante 1, aber mit vollem Funktionsumfang. Der Hersteller muss nur ein Programm schreiben. Das finanzielle Risiko wird vom Kunden auf den Hersteller übertragen. Wenn die App nach der Anprobe nicht passt, kauft der Kunde nicht. Aufwand ist aber dann der Schutz vor Softwarepiraterie. Auch suboptimal, weil Schutz vor Softwarepiraterie gerade im Mobilsektor noch schwerer sein dürfte als in der Desktopwelt. Als Laie würde ich daher kühn behaupten, dass eine Demoversion, die nach Zeitraum X den Dienst einstellt, einfacher zu erstellen ist, als eine Vollversion, die nicht raubkopiert werden kann.
Lange Rede, kurzer Sinn: Verständnis für beide Seiten. Warum soll ein Kunde die Katze im Sack kaufen? Beim Kaffee im unbekannten Restaurant kann ich ja noch realistisch vermuten, dass ich wenigstens Kaffee bekommen. Ich habe schon Handysoftware gehabt, die startete nicht einmal. Der Hersteller muss beim Kunden Vertrauen aufbauen, dass seine Software es wert ist. Auch, wenn es nur die halbe Tasse Kaffee ist. Und ja, das ist mit Aufwand verbunden. Weiß ich nur zu gut, ich arbeite im Marketing.
So, das wollte ich nur mal loswerden.



27. Dezember 2011 um 17:14
öhm… also im Google Android Market haste ne Testzeit von… äh… glaube, ner Viertelstunde. Waren mal 24h, hat Google aber runtergesetzt.
Und… ich habe in den letzten 2 Jahren für ca. 30 EUR Apps gekauft. Und bis auf einige wenige Ausnahmen, waren die ihr Geld auch wert. Von ca. der Hälfte gabs “Free”-Versionen, die ich vorher ausprobiert hatte. Ca. 5 Apps habe ich innerhalb der Testzeit wieder zurückgegeben.
Baba
27. Dezember 2011 um 18:17
So muss das. Mir ist btw. aufgefallen, dass auch in anderen Bereichen Demoversionen nicht mehr en vogue sind. PC und Konsolen Games zum Beispiel.