Google+ ist das nächste große Ding

In den letzen 2 Wochen wird ja ziemlich viel schlechtes über Google+ geschrieben. Diesseits und jenseits des Atlantiks.

Gut, wenn das Walstreet Journal schlecht über Google schreibt, ist das ja wurscht. Die sind ja natürliche Feinde, und Objektivität darf man da leider nicht mehr erwarten. Dazu gab es in der Vergangenheit doch zu viele juristische Streitereien.

Interessanterweise wird aber überall schlecht über Google+ geschrieben. Warum? Nicht, weil es schlecht ist. Sondern weil die Enttäuschung zu groß ist.

Vor 8 Monaten etwa ist Google+ gestartet. Und jetzt haben die Nutzer festgestellt: Da geht nix. (Meanwhile on Google+ MEME Symbolbild hier denken)
Also warum noch ein Social Network neben Facebook?

Ich muss hier mal eine Lanze für Google+ brechen. Warum? Weil Google+ sehr viel besser ist als Facebook.
Google ist nicht gerade beliebt für seinen Umgang mit Privatsphäre, aber im Vergleich zu Facebook vorbildlich. Bei G+ sind die Privatsphäreneinstellung intuitiv und nachvollziehbar. Bei Facebook sind die – vor allem aufgrund von Spielen und Anwendungen – ein Studium für sich.

Features: Nicht das Facebook und seine Funktionen an sich schlecht sind. Aber Google+ kann fast alles, was Facebook kann, und das was es kann, kann es besser. Google+ hat keinen Nachrichtenversand auf der Website, sondern nur Hangouts (Chat, mit Voice und Video, auch in Konferenz). Dafür gibt’s in der Mobilapp den Messenger, der schlichtweg super ist. Aber zur Mobilapp komme ich nachher noch.
Google ist die Heimat von Youtube und Picase, von Gmail und Maps und weiteren Diensten, die einwandfrei eingebunden sind. Einen Hangout mit einem oder mehreren Partnern zu starten – mit Video und alles – braucht nur wenige Mausklicks. Das könnte selbst meine Mutter. Facebook-Skype-Videointegration? Wo soll das sein? Geht das auch auf Androidhandys (den meistverkauften Mobiltelefonen)? Ich glaube, es ist klar, was ich meine.
Google+ flutscht einfach. Fotos teilen, Videos teilen, Kommunikation – alles einfacher.

Nervfaktor: Auf Google+ gibt’s noch keine Werbung, aber wenn die kommt, dann wird die nicht nerviger als auf Facebook. Anders gehts vom Design her gar nicht. Diese dümmlichen Spiele wie Farmville, Gangwars und Co. gibt’s auch nicht. Manche stehen darauf – ich habe samt und sonders all diese Anwendungen aus meinem Facebook Newsfeed geblockt. Das war eine Menge Arbeit. Es gibt Spiele auf Google+, aber den Fehler werden die hoffentlich nicht wiederholen.

Das beste: Die mobile App. Ich sag es wie es ist: Der Krieg wird auf dem Smartphone gewonnen. Punkt. Ende der Diskussion.

Nein ehrlich: Ich habe nicht selten Stimmen gehört, dass Menschen nicht von iOs zu Android wechseln, weil es App X dort nicht gibt. Oder umgekehrt, wenn auch seltener.
Facebook auf dem iPhone: Völlig in Ordnung. Kann zwar wenig, aber das wichtigste. Läuft. Leider kann man aus der Fotoanwendung nicht direkt an Facebook hochladen, das erlaubt Apples iOs nicht. Facebook auf dem Android: Katastrophe. Direkt wieder deinstalliert nach einem Tag. Dann zwei weitere Clients ausprobiert, die auch nix waren. Schlußendlich nutze ich auf dem Android die Facebookwebsite, die kann nebenbei gesagt auch gleich alles. Also schon mal besser als die App (egal ob iOs oder Android). Warum Facebook es nicht hinkriegt, innerhalb von Jahren eine gute App für das dominierende Handy-Betriebssystem zu schreiben, ist mir ein Rätsel.
Dagegen die Google+ App: Auf beiden System sehr gut. iPhone 4 und Android Handy, sowie Tablet vom Start weg gut. Ganz am Anfang ein paar Kinderkrankheiten (Pushbenachrichtigungen auf Android, Querformattastatur beim iOs), aber jetzt super. Der Messenger hat bei uns im Haushalt die SMS ersetzt (den Facebook Messenger hat ja eh niemand installiert), und in Sachen Stream und Circles können die Apps alles, was die Website auf dem PC auch kann. Und sogar die Hangouts funktionieren mit Video und allem. Das kann langfristig ein Problem für Skype werden. Das wäre aber ein anderer Eintrag wert.
Google+ gibt es seit 8 Monaten, und schon jetzt sind die Apps auf beiden Systemen besser als ich es von Facebook jemals zu hoffen wage.

Langer Rede kurzer Sinn: Google+ kann alles besser, und noch etwas mehr.

Schade nur, dass es kaum jemand nutzt.
Da komme ich zu dem eigentlichen Problem: Es kann nur einen geben. Erinnert sich noch jemand an StudiVZ? Da war ich einer der ersten 500.000 Nutzer, und der erste an meiner Hochschule damals. Dann ist das explodiert auf 9 Millionen Nutzer. Irgendwann kam dann Facebook nach Deutschland, und innerhalb von zwei Jahren (oder weniger) sind die User fast geschlossen zu Facebook gewechselt. Das war international, schicker, größer, besser, der Standard. Meine Generation ist ja sehr international, studiert im Ausland und so. Da gucken die dich aber komisch an, wenn du mit StudiVZ kommst.

Jedenfalls war dann bei jedem irgendwann der Punkt erreicht, wo der wichtigste Teil des Freundeskreises auch in Facebook war, und damit konnte jeder für sich StudiVZ abhaken. Dann haben die VZ-Netzwerke das mit dem Teilen auch nicht so wirklich verstanden. Irgendwie sehe ich nirgendwo Buttons “Share on VZ”.
Solche Wechsel kommen vor. Wie damals, als Skype rauskam. Werbefrei, schick, gratis. In kürzester Zeit sind wir dann alle von dem unsäglichen ICQ zu Skype gewechselt. Wer heute noch ICQ nutzt, lebt entweder in einem Land, in welchem Skype zensiert ist, oder hat den Schuss nicht gehört.

Als ich alle meine Freunde und Bekannte in Facebook um mich versammelt habe, fing ich an meinen Weblog zu vernachlässigen. Früher mehrere nutzlose Einträge täglich – heute alle paar Wochen mal einer. Der Kleinkram kommt auf Facebook, ist auch nicht so öffentlich.

Solange aber nicht alle meine Kontakte auch bei Google+ sind, bin ich leider an Facebook gebunden. Wie vermutlich jeder will ich nicht alles doppelt publizieren. Also mach ich’s meist nur bei Facebook. Ob und wann sich das ändert – ich weiß es nicht.

Es sind nicht nur die Menschen. Wenn erstmal alle – oder die kritische Masse – bei Google+ ist, kommt der Rest von alleine. Die Verbindungen zu anderen Diensten. Die “+1″ und “Auf Google+ teilen” Buttons überall. Und dann erfolgt vielleicht ein Wechsel von epischen Ausmaß. Plötzlich sind alle bei Google+ und keiner mehr bei Facebook. Eben wie damals bei VZ, bei ICQ.
Ich fände das gut. Ich bin ein Facebookjunkie, aber das ist eine Hassliebe. Lieber heute als morgen würde ich Facebook den Rücken kehren, wenn sich mein Soziales Leben dann auf G+ abspielt.
Andererseits habe ich Bedenken, wenn das Suchmaschinenmonopol dann deckungsgleich mit dem Social Media Monopol ist.

Mal sehen. Google+ gibt es seit 8 Monaten. Als Facebook 8 Monate alt war, gab es das noch nicht einmal außerhalb der USA.

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4 Gedanken zu „Google+ ist das nächste große Ding

  1. Andre Geddert

    Das hast Du auch schon über Google Wave gesagt ,) Ok, ja, Google Produkte sind cool, innovativ und leicht zugänglich. Aber ich will trotzdem lieber eine RFC für social networking.

    Antworten
    1. Matthias Artikelautor

      Ja, ich finde die Idee hinter Wave cool. Aber ich habe auch damals schon geschrieben: ” Es muss “nur” noch die entsprechende Clientsoftware für alle mögliche Geräte entwickelt werden. Webinterface auf einem Smartphone ist halt einfach suboptimal. Noch. Hm – auf einem Desktoprechner eigentlich auch.”

      Und genau das ist nicht passiert. Wave ist und war nicht leicht zugänglich. Beim Interface hat man versucht, das Rad neu zu erfinden, die Sortierung und Auflistung der Waves war unnötig funktional und kompliziert.

      Kompliziert, keine optimierten Clientanwendungen, und für damalige Zeiten zu anspruchsvoll.

      Und die Überschrift ist vorsätzlich so provokant.

      Antworten

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