Video Konvertierung: Cuda, Intel Quicksync und mit welcher Software?

Dieser Artikel ist bewusst sehr allgemein und oberflächlich gehalten. Wer aus irgendwelchen Gründen seine Videos in Tablet-PC- oder Mobiltelefonformat konvertieren möchte, hat dafür eine Million Möglichkeiten. Das ganze ist natürlich sehr leistungshungrig, und hat dementsprechend sehr sehr lange gedauert.

Nun kommt es wohl in der Welt so oft vor, dass Menschen irgendwelche Videos konvertieren möchten, dass Softwarehersteller die Möglichkeiten nutzen, die Hauptarbeit der Konvertierung durch die schnellere Grafikkarte durchführen zu lassen. Diese Möglichkeit gibt es seit wenigen Jahren, weil Nvidia unter dem Begriff CUDA es ermöglicht, Rechenoperationen im Grafikkartenprozessor (GPU) auszuführen. Das entlastet den Hauptprozessor (CPU), welcher dann schon mal was anderes machen kann. AMD hat später eine ähnliche Technik für seine Radeon Grafikkarten zur Verfügung gestellt. Als dritter kam dann Intel, die seinen neusten i5 und i7 Prozessoren (CPU) mit integrierter Grafik eine Technologie names Quicksync verpasst haben, die eigentlich nur noch dazu da ist, Videos zu decodieren und encodieren.

GPUs sind schneller als CPUs, weil sie die Aufgaben parallel abarbeiten, währen CPUs seriell eine Berechnung nach der anderen ausführen.  Mythbusters hat das in diesem Video perfekt veranschaulicht: http://www.youtube.com/watch?v=ZrJeYFxpUyQ

Wer über keine moderne Grafikkarte verfügt, oder nicht über einen entsprechenden Intel Prozessor, der muss bei der Videokonvertierung mit der seriellen Leistung seines Prozessors auskommen. Diese Konvertierung wäre dann “software-only”, weil sie von der Hardware unabhängig ist. Beschleunigung über GPU oder Quick Sync nennt man dann entsprechend hardwarebeschleunigt.

Mit meinem neuem Laptop bekam ich einen Core i7 Prozessor der 2. Generation (2,2 – 3,5 GHz) sowie eine Nvidia Grafikkarte. Letztere ist natürlich kein Performance Monster, aber für ein Notebook sehr ordentlich. Es handelt sich um die GT 525M.

Da stellt sich mir die Frage, um die es in diesem Artikel geht:

Welche Methode der Videokonvertierung ist die schnellste?

Ich habe also 3 Möglichkeiten, Videos zu konvertieren:

  1. Software only
  2. Hardwarebeschleunigt über Intel Quick Sync (auch Intel Media SDK genannt)
  3. Hardwarebeschleunigt über Nvidia CUDA

Ich brauche also Programme die mir diese Möglichkeit bieten, idealerweise auch noch gratis. Zudem hat die Wahl der Hardwarebeschleunigung nicht nur massiven Einfluss auf die Zeit, sondern auch auf die Qualität des resultierenden Videos. Tom’s Hardware hat dazu einen nahezu wissenschaftlichen Artikel parat: http://www.tomshardware.de/video-transcoding-amd-app-nvidia-cuda-intel-quicksync,testberichte-240740-7.html

Kurz dazu: Qualität war bei mir nie ein Problem, das ist Sache der Settings in den Programmen, und der Artikel ist auch etwas älter. Die genannte Software ist mittlerweile geupdatet worden.

Ich habe mit meiner Hardware also getestet, was am schnellsten geht. Immer das gleiche Quellvideo, immer gleiche Qualitätseinstellungen für das resultierende Video. Dazu ein Vergleich zwischen 2 kostenlosen Programmen und dem im Artikel erwähnten Badaboom 2 sowie MediaEspresso 6.5.

Ich habe das Programm Super von erightsoft extra nicht benutzt, weil dessen Einstellungen einfach zu komplex sind. Das benutze ich nur für ganz exotische Fälle, z.B. um Youtubevideos in etwas anderes zu konvertieren. http://www.erightsoft.com/SUPER.html
Hier der Downloadlink, ist sehr versteckt: http://www.erightsoft.biz/GetFile.php?SUPERsetup.exe (in Adressleiste kopieren)

Das erste freie Programm ist der MediaCoderhttp://www.mediacoderhq.com/ ), welcher alle drei Modi beherrschen soll: Software, Cuda, Intel Quick Sync.

Das zweite freie Programm ist Handbrake ( http://handbrake.fr/ ). Das unterstützt anscheinend keine Hardwarebeschleunigung, aber ist sehr einfach zu bedienen. Die wenigen Einstellungen sind sehr verständlich erklärt, und man kann sich seine Einstellungen sogar speichern. Den mitgelieferten Sets für diverse Geräte traue ich nicht ganz.

Ich habe die Trialversion von Badaboom 2 ( http://badaboomit.com/ ) getestet, welches Softwaremodus und CUDA unterstützt, undokumentiert aber auch Quicksync.
MediaEspresso gibt es ebenfalls als Testversion auf der Seite von Cyberlink zum Download. ( http://de.cyberlink.com/products/mediaespresso/overview_de_DE.html )

Hier das Ergebnis meiner Testreihen. Je mehr FPS, desto besser. FPS steht für Frames pro Sekunde. Die Zahl gibt an, wieviel Bilder des Videos pro Sekunde konvertiert werden. Ein normales Video hat 25 Bilder pro Sekunde. Bei 50fps ist das also in der Hälfte der Laufzeit konvertiert. Die absoluten Zahlen sind natürlich auf jedem System unterschiedlich, vermutlich sogar bei jeder Ausgangsdatei. Die dienen hier nur als Vergleich zwischen den verschiedenen Methoden.

Softwaremodus CUDA Intel Media SDK /
Intel Quick Sync
Badaboom 2 70 fps 48 fps 370 fps
MediaCoder 50 fps Fehler Fehler
Handbrake 69 fps - -
MediaEspresso 6.5 130 fps 124 fps 467 fps

Aus der Tabelle kann der interessierte Leser drei Dinge ablesen:

Erstens: Meine Nivida GT 525M ist noch nicht leistungsstark genug, um einen i7 Prozessor zu überbieten.

Zweitens: MediaCoder kann man nicht empfehlen. Einerseits sind die Einstellungen recht komplex, so dass man hier den Assistenten bemühen muss. Dann geht’s aber. Bei hardwarebeschleunigter Konvertierung wird vom Assistenten immer miserable Qualität eingestellt. Da kommen dann zwar auch Frameraten um die 115 fps heraus, allerdings kann man das Video nicht gebrauchen. Stellt man die Einstellung so ein, wie ich es gerne hätte, verweigert MediaCoder die Arbeit unter nichtssagenden Fehleremeldungen. Aber das Programm ist ja auch erst eine 0.9.xyz Version. Sollte man im Auge behalten.

Drittens: MediaEspresso von der Firma Cyberlink macht irgendetwas richtig, was alle anderen falsch machen. Zumindestens was die Geschwindigkeit angeht. Ansonsten kann ich MediaEspresso nämlich nicht empfehlen. Die Einstellungen sind so vereinfacht, dass man dringend notwendige Einstellungen gar nicht vornehmen kann. Zum einen das Cropping/Seitenverhältnis, zum anderen kann man bei mehrsprachigem Originalmaterial nicht die zu kodierende Audiospur auswählen. Es wird einfach die erste Spur genommen, was meistens eben Originalsprache und nicht Deutsch ist. Außerdem hat man keinen Einfluß auf die Wahl der Audiocodecs und die Art, wie das Audio gespeichert wird. Da gibt es nur Stereo und fertig. Das ist alles in allem für den normalen Nutzer, also die Mehrheit, nicht schlecht. Aber mir persönlich viel zu wenig. Von daher würde ich das Geld nicht investieren.

Fazit:

Was ist nun der beste? Der schnellste ist der MediaEspresso. Wer unbedingt einen 90 Minuten Film in 5 Minuten nach MP4 konvertieren will, dafür nur englisch und stereo, der sollte die 40 Euro investieren.

Für  MediaCoder spricht in dem Test nix. Handbrake funktioniert besser als das ebenfalls kostenlose MediaCoder. Für Handbrake spricht vor allem die Wahlmöglichkeit, wie man seine Audiospur gerne hätte. AC3, AAC, MP3 und andere Codecs sind möglich. Zudem noch die Wahl zwischen Stereo Downmix (das können alle), Dolby Pro Logic II Downmix (mein Favorit) und diskretes 6 Kanal Audio.

Badaboom 2 kann im im Gegensatz zu MediaEspresso die Sprachauswahl, bleibt aber ansonsten bei Stereodownmix. Wer es eilig hat, dem spreche ich eine Kaufempfehlung für Badaboom aus. Wer das beste Gratisprogramm haben will, sollte sich Handbrake installieren.

Wer ein Programm findet, das gratis ist, alle benötigten Einstellungen hat und Intels Quick Sync Technologie unterstützt, der möge sich bitte hier in den Kommentaren melden. Denn das wäre anscheinend die beste Kombination. Oder die Programmierer von Handbrake implementieren Quick Sync. Denn damit hat Intel mal etwas richtig gutes auf die Beine gestellt.

Update 06.06.2012

Badaboom 2 gibt es nicht mehr, und der Hersteller hat das Programm eingestellt. Kann man auf der Homepage nachlesen, die Gründe sind aber nicht ganz deutlich.

Ich habe zwei weitere kostenpflichtige Programme gefunden. Die Programme heißen AVS Video Converter und Movavi Video Converter. Hier die Links:

http://www.avs4you.com/de/AVS-Video-Converter.aspx

http://www.movavi.de/videoconverter/

Das der AVS Video Converter QuickSync und CUDA unterstützt, habe ich an anderer Stelle im Netz gelesen. Auf der eigenen Homepage werben die nicht mit diesen Features.

Aufgrund meiner Erfahrungen aus dem ersten Test habe ich die Konvertierung mittels CUDA und Software gar nicht erst getestet. Interessant ist ja für mich nur die Konvertierung mittels Intels Quicksync. Zudem sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Programmen über alle Technologien hinweg ziemlich gleichbleibend. Hier die Ergebnisse:

Konvertierungszeit mit QuickSync FPS
Badaboom 2 6 Minuten 350 fps
Movavi Video Converter 10 Minuten 53 Sekunden 198 fps*
AVS Video Converter 13 Minuten 24 Sekunden 162 fps*

*errechnete Werte, arithmetisches Mittel

Tja, schade das Badaboom eingestellt wird. Bei gleicher Ausgabequalität ist das mehr als doppelt so schnell wie AVS Video Converter und auch deutlich schneller als Movavi sein Video Converter.

Von der Bedienung her sind die beiden neuen Programme ziemlich gleich. Optisch finde ich AVS Video Converter schöner. Dieser bietet auch die Möglichkeit, 5.1-Kanal-Ton zu codieren, anscheinend aber nur als diskreten 6 Kanal. Ein ProLogic o.ä. sehe ich nicht. Seltsamerweise bietet AVS als Audiocodec nur MPEG2, kein MP3, kein AAC und sonst auch nix. Vermutlich um Lizenzgebühren zu sparen.

Beide neuen Programme bieten eine Testversion, die aber zu nichts zu gebrauchen ist, weil die erzeugten Videos mit Wasserzeichen versehen werden. Bei Movavi hörte nach ziemlich genau der Hälfte der Spiellänge der Ton auf. Ob das ein Fehler oder eine Einschränkung der Testversion ist habe ich nicht recherchiert.

Fazit:

Hoffentlich wird Media Espresso von Cyberlink mit der nächsten Version besser (siehe oben).

Update vom 25.10.2012

Da ja Badaboom nicht mehr bei mir funktioniert und auch vom Hersteller eingestellt wurde, habe ich aus eigenem Interesse und aufgrund von Empfehlungen in den Kommentaren neue Tests durchgeführt:

SOFTWAREMODUS CUDA INTEL MEDIA SDK /
INTEL QUICK SYNC
BADABOOM 2 70 fps 48 fps 370 fps
XMedia Recode 98 fps - -
Freemake Video Konverter - 189 fps -
Media Coder 0.8.16.5293 64bit - 34 fps 382 fps

Zur Erläuterung: Badaboom 2 ist hier die Referenz. Erneut getestet habe ich das Programm nicht, es stürzt bei mir neuerdings ja ständig ab. Das könnte am .net Framework liegen. Kann ich aber nicht bestätigen.

Xmedia Recode von http://www.xmedia-recode.de war ein Vorschlag aus den Kommentaren. Das unterstützt kein Cuda und kein Quicksync. Vorteil bei dem Programm ist jedoch, dass es alle mir jemals untergekommenen Ein- und Ausgabeformate unterstützt. Man kann die richtige Audiospur auswählen und auch Mehrkanalton kodieren. Es gibt für Video circa 4000 Einstellungsmöglichkeiten. Für Audio auch 100. Das ist einerseits gut, andererseits ziemlich komplex. Die Einstelllungen sind zwar vom GUI her zugänglicher als beim Media Coder, aber man muss wissen, was man tut. Und genau aufpassen. Am Anfang hat man die Auswahl von Profil, Format und Dateiendung. Letzteres ist unwichtig, die ersten zwei haben aber maßgeblichen Einfluss auf die späteren Einstellungsmöglichkeiten und vor allem darauf, was überhaupt konvertiert wird. Wählt man als Profil zum Beispiel “H.264″, wird nur das Video kodiert. Was ich eigentlich wollte ist Profil “Benutzerdefiniert”, Format “MP4″ und dann später in den Videoeinstellungen H.264 als Codec auswählen. Xmedia Recode kann nur Software, damit ist es langsam und für mich eher uninteressant. Aber gratis und schneller als Handbrake, von daher für Nutzer mit ausreichend Fachwissen eine gute Option. Ansonsten wegen fehlender Hardwarebeschleunigung eigentlich in diesem Artikel nicht erwähnenswert.

Freemake Free Video Converter von http://www.freemake.com/de/free_video_converter/ ist auch ein Vorschlag aus den Kommentaren gewesen. Der unterstützt CUDA, von daher habe ich den Softwaremodus nicht mehr getestet. Quicksync wäre mir persönlich lieber, weil mein Prozessor ja schneller ist als meine GPU, aber das ist ja nicht bei allen so. Die Oberfläche von Freemakes Videoconverter ist ähnlich übersichtlich wie die von Handbrake und bietet alle gewünschten Einstellungen. Auch die Möglichkeit, Mehrkanalton zu kodieren. Auf der Website wird behauptet, dass Freemake der schnellste CUDA-Konverter ist. In meinem Test kann ich das bestätigen: Freemake ist bei meiner Hardware sogar schneller als Cyberlinks Media Espresso.

Media Coder habe ich erneut getestet in der Hoffnung, dass CUDA und Quicksync jetzt funktionieren. Damals taten beide Funktionen nicht, sondern führten zur Arbeitsverweigerung des Encoders. Ich habe dafür die neuste 64-Bit Version vom Mediacoder benutzt, welche ich am 25.10.2012 von der Website herunter geladen habe. Und siehe da: Jetzt funktioniert es. Und wie: 15,27-fache Geschwindigkeit mit Intel Quicksync sind ein absoluter Spitzenwert, damit ist sogar Badaboom 2 übertroffen. Allerdings hat das Programm so seine Mucken. Ich hatte parallel den Browser offen, und während der Konvertierung lies sich das Media Coder Fenster nicht wieder in den Vordergrund holen. Beim ersten Versuch ist zum ende der Konvertierung das Fenster sogar einfach verschwunden, und die gewünschte Videodatei ebenso. Im Windows Taskmanager war der Prozess aber noch aufgelistet (0,5 GB Speicher, 0% CPU). Man darf Media Coder anscheinend nicht aus den Augen lassen. :-) Beim zweiten Versuch hat es dann funktioniert, aber das Format war auf 4:3 gequetscht. Obwohl ich eingestellt hatte, dass Aspectratio, Auflösung und Framerate erhalten bleiben sollen. Ich habe fast eine Stunde gebraucht, um die richtigen Settings hinzubekommen. Bei der Konvertierung mittels CUDA hat der Media Encoder keine guten Framerates hervorgebracht.

Fazit:

Aufgrund meiner persönlichen Situation ist mein neues Programm der Wahl der Mediacoder. Allen  denen mit einer High-End Nvidia Grafikkarte empfehle ich Freemake Free Video Converter, weil die Benutzeroberfläche einfacher ist.