So, das soll also “das beste, was ich je [bei Apple] getan habe” (Steve Jobs) sein. Sogar noch besser als Breakout soll es sein, das neue Apple Tablett.
Ist es nicht. Als vernünftiger und objektiver Applekritiker hatte ich nicht viele Erwartungen an das neue Gerät. Aber selbst diese wurden noch unterboten. Fangen wir einfach mal an, was so richtig misslungen ist:
- Bildschirm. 1024 x 768. Mag bei Apple.com auch “widescreen” stehen, das ist ganz banales 4:3. So ziemlich alle Filme werden also schwarze Balken haben. Oder “Pan & Scan”.
- Der Rahmen um den Bildschirm. Hässlich. Unnötig. “Damit man nicht aus Versehen auf den Bildschirm kommt und Aktionen auslöst, wenn man es in der Hand hält” – zählt nicht als Argument. Das hätte man Softwaretechnisch eleganter lösen können. Haben andere Hersteller gezeigt.
- Das 3G Datenmodem (keine Telefonfunktionalität) ist zwar “unlocked”, aber kann nur microSIM Karten lesen. Außer AT & T benutzt die sowieso kein Provider. Wobei: Noch nicht.
- Geschlossenes System. Dank iPhone OS 3.2 wieder Zwangsbindung an iTunes und Apple. Keine freien Programme und beliebige Audio-/Videocodecs.
- Der Name: “iPad”. http://jezebel.com/5458338/that-time-of-the-month-the-internets-best-period+related-ipad-jokes (Ich räume ein, als Deutscher war mir das nicht bewusst.)
Und jetzt komme ich erst zu den wirklich krassen Fehlern:
- Anschlüsse: Keine. Nur einen propertiären Dockanschluss und 3,5mm Kopfhöreranschluss. Für alles andere braucht man Adapter. Jawohl, um USB anzuschließen (Digitalkamera, Speichermedien) braucht man einen Adapter. Einen Adapter um USB zu haben. Einen Videoausgang (HDMI, Displayport) sucht man auch vergebens.
- Der Akku ist fest eingebaut. Was man ja bei einem nach-zwei-Jahren-wegwerf-iPhone noch wegdiskutieren kann, geht bei einem als Netbook gehandeltem Gerät nicht mehr. Das muss länger können, und damit wartungsfreundlicher sein.
- Kein Stylus mit Handschrifterkennung. Im Ernst, Apple: Ihr wart dort Vorreiter. Beim Newton 2000 hat das schon sensationell funktioniert. Wer will auf einem Tablet Computer (egal von welchem Hersteller) mit einer Bildschirmtastatur tippen? Das geht nur wenn es a) auf dem Tisch liegt, oder wenn man b) auf der Couch liegt und die Knie angezogen hat. Und HTC hat gezeigt, das es auch Plastikstifte gibt, die auf kapazitiven Bildschirmen funktionieren.
- Keine Kamera. Mikrofon ja, Minilautsprecher ja, Kopfhörer ja, aber keine Kamera? Wie sehr würde das rocken, auf so einem Ding Skype (oder iChat) Vidokonferenzen zu haben? Das wäre ziemlich Star Trek, oder? Wie um alles in der Welt kann man sowas nicht vom ersten Tag an ins Lastenheft schreiben?
- Kein Multitasking. Email und Facebook gleichzeitig? Geht nicht. Twitter und Skype gleichzeitig? Geht nicht. Browser offen haben und mal parallel ein PDF angucken? Geht nicht. Ein Programm, mehr geht nicht. Das ist – bei allem Respekt – idiotisch.
Der Preis – 500 bis 830 Dollar – ist wie immer zu hoch. Da empfehle ich doch das hier. Für 100 Euro würde ich es mir ehrlich gesagt noch überlegen. Als kleiner Webbrowser für die Couch / den Nachttisch. Aber das geht nun mal gar nicht. Nicht bei den gravierenden Designfehlern.
Und so coole Features, wie ich sie erwartet habe – z.B. eine Steuerung des Heimrechners oder zumindest von Apple TV, also irgendetwas, was naheliegend ist, fehlen völlig. Na ja, aber es hat ja einen Kompass. Wird ziemlich intelligent aussehen, mit dem iPad in der Horizontalen durch eine Fußgängerzone zu navigieren. ;-) – Achso, GPS-Empfänger nur in der teureren 3G Variante. Weil der Bestandteil des Modems ist, logischerweise.