Zwei Bildschirme, keine Tastatur

Bestimmt habt ihr alle noch diesen Eintrag im Kopf: http://www.bessr.de/2009/10/16/zukunftiges-userinterface-multitouch-fur-pc

Jetzt gibt es entsprechende Hardware zu kaufen: http://www.notebooksbilliger.de/acer+iconia+dual+screen+tablet
Das Acer Iconia Dual Screen Tablet ist nicht, wie der Name vermuten lässt, eine Summe aus zwei Tablets, sondern ein vollwertiges Notebook. Nur anstelle der Tastatur hat es einen Touchscreen. Was sich auch auf den Preis auswirkt. Aber ich denke, mit vernünftiger, vorwärtsbetrachtender Betriebssystementwicklung haben diese Konzepte Zukunft. Momentan gibt es kein Betriebssystem, dass Touchbedienung oder Multitouch sinnvoll einsetzt. Ist ja auch, wie in dem Video erklärt, ein Hardwareproblem gewesen.

Das Problem mit den Tablets

Ich kann mich für die Idee von Tablets wirklich begeistern. Nicht von Anfang an, als Microsoft das damals im Jahr 2001 erfunden hatte, aber seit sagen wir mal 2010.

Eigentlich nur für zwei Funktionen:

1. Im Web surfen
2. Fotos angucken / zeigen
2b. Videos angucken /zeigen.

Gerade Punkt 1 ist gefühlt 90% von dem, was ich privat an meinem Notebook tue. Das Notebook ist ein sehr gutes 17″ Markengerät, von meinem Arbeitgeber. Und zwar richtig gute Businessmarke, keine Asienmarke. Wobei es von dort auch durchaus Qualität gibt (Lenovo, Toshiba). Ich erwähne das Notebook deswegen so ausführlich, weil das Problem, das ich mit Tablets habe, sehr gut anhand meines sehr guten Notebooks verdeutlicht werden kann.

Man kann sagen, in 2010 hatte Apple mit dem iPad ein Quasimonopol im Tabletmarkt. Ich habe damals im Frühjahr schon vermutet, dass das iPad nicht so toll ist, und nachdem sich mein Chef das zu Weihnachten geschenkt hat, und ich im Dezember ausgiebig damit rumgespielt habe, sehe ich, dass ich recht hatte.

Einerseits versagt das iPad stark in den oben genannten Punkten: Websurfen ohne Flash und andere Plugins ist ziemlich öde, Fotos werden in der Auflösung runtergesampelt und können nur umständlich aufs Gerät übertragen werden, und Videocodes kann das Ding glaube ich keine 5. Der VLC Player hat geruckelt und ist außerdem eh wieder aus dem Appstore geflogen (vorgestern glaube ich).

Aber das schlimmere Problem ist der Preis. Das iPad kostet mit vernünftiger Ausstattung 800 Euro, und das ist bei weitem zu viel.
Und das ist das Problem mit den Tablets.

Dass das iPad so schlecht ist, das Problem wurde gelöst: Siehe hier

Das Preisproblem aber bleibt. Soweit ich das an den schon genannten Preisen ablesen kann.

Ein Tablet – sei es noch so gut zum surfen auf der Couch geeignet – ist nur ein Tablet. Kein vollwertiges Notebook, nicht einmal ein Netbook. Die Leistung ist eingeschränkt und der Nutzung angepasst, was im Hinblick auf Akkubetrieb auch gewünscht ist. Die Auflösung ist gering, die Komponenten allesamt eher unterdurchschnittlich. Durch die feste, niedrige Auflösung kann die Grafikkarte kleiner ausgelegt werden, die Bildschirme sind dementsprechend klein und billig, und wegen klein auch noch sparsam. Die Prozessoren müssen keine Proteine falten und wer zocken will, soll sich eine XBOX 360 kaufen. Ebenso kann auf Surroundsound und Grafikausgang verzichtet werden, denn abendfüllende Spielfilme auf einem Tablet guckt doch nur ein Bruchteil der User. Wir leben im Jahr 2011. Zwei Drittel aller 3D-Fernseher in den USA sind mindestens 55″ groß. Hardwaremäßig sollte man da also nicht in die Vollen gehen. USB, WLAN, Audio (Mikro/Headset), Bluetooth, Speicherkartenleser, eingebaute Webcam,  und Strom. Das ganze etwa in A4 Größe und mit einer Auflösung von größer gleich 100 Pixel pro Zoll.

Ein Tablet ist ein Tablet, kein PC.

Ein Tablet ist nicht einmal halb soviel PC wie mein wirklich gutes Laptop. Dieses hat im Frühjahr etwa 500 Euro gekostet, davon 100 die Software. Mittlerweile gibt es für das gleiche Geld mehr Leistung, wie immer. Ein sehr gutes Tablet dürfte also nach gesundem Menschenverstand nicht mehr wie 250 Euro kosten. Wie gesagt, ein sehr gutes Tablet, nicht nur ein iPad. Addieren wir noch Schischi wie GPS, Kompass und andere Pfennigartikel wie Beschleunigungssensoren und so etwas, dann machen wir 300 draus. Und selbst da müsste ich schon “eine Nacht drüber schlafen”, ob ich mir ein Surfgerät für 300 Euro kaufen würde. 200 klänge besser, ist ja nur ein Zweitgerät zum PC. Mehr ist es nicht – mehr muss es nicht sein. Und entsprechend der vom Kunden empfundenen Leistung (= Nutzen) muss der Preis sein. Technisch muss das machbar sein. Mein Laptop besteht aus doppelt soviel und weit mehr als doppelt so leistungsfähiger Hardware. Kostet aber aktuell nur die Hälfte. Seltsam, oder nicht?

Onlinemarketing und die Zukunft des Buches (Video)

Ein sehr genial gemachtes Video. Wichtig ist, dass man es von Anfang bis Ende guckt, sonst erschließt sich einem die Auflösung des anfänglichen WTF? nicht.

10 Gründe, warum Apple das iPad so richtig verbockt hat

So, das soll also “das beste, was ich je [bei Apple] getan habe” (Steve Jobs) sein. Sogar noch besser als Breakout soll es sein, das neue Apple Tablett.

Ist es nicht. Als vernünftiger und objektiver Applekritiker hatte ich nicht viele Erwartungen an das neue Gerät. Aber selbst diese wurden noch unterboten. Fangen wir einfach mal an, was so richtig misslungen ist:

  1. Bildschirm. 1024 x 768. Mag bei Apple.com auch “widescreen” stehen, das ist ganz banales 4:3. So ziemlich alle Filme werden also schwarze Balken haben. Oder “Pan & Scan”.
  2. Der Rahmen um den Bildschirm. Hässlich. Unnötig. “Damit man nicht aus Versehen auf den Bildschirm kommt und Aktionen auslöst, wenn man es in der Hand hält” – zählt nicht als Argument. Das hätte man Softwaretechnisch eleganter lösen können. Haben andere Hersteller gezeigt.
  3. Das 3G Datenmodem (keine Telefonfunktionalität) ist zwar “unlocked”, aber kann nur microSIM Karten lesen. Außer AT & T benutzt die sowieso kein Provider. Wobei: Noch nicht.
  4. Geschlossenes System. Dank iPhone OS 3.2 wieder Zwangsbindung an iTunes und Apple. Keine freien Programme und beliebige Audio-/Videocodecs.
  5. Der Name: “iPad”. http://jezebel.com/5458338/that-time-of-the-month-the-internets-best-period+related-ipad-jokes (Ich räume ein, als Deutscher war mir das nicht bewusst.)

    Und jetzt komme ich erst zu den wirklich krassen Fehlern:

  6. Anschlüsse: Keine. Nur einen propertiären Dockanschluss und 3,5mm Kopfhöreranschluss. Für alles andere braucht man Adapter. Jawohl, um USB anzuschließen (Digitalkamera, Speichermedien) braucht man einen Adapter. Einen Adapter um USB zu haben. Einen Videoausgang (HDMI, Displayport) sucht man auch vergebens.
  7. Der Akku ist fest eingebaut. Was man ja bei einem nach-zwei-Jahren-wegwerf-iPhone noch wegdiskutieren kann, geht bei einem als Netbook gehandeltem Gerät nicht mehr. Das muss länger können, und damit wartungsfreundlicher sein.
  8. Kein Stylus mit Handschrifterkennung. Im Ernst, Apple: Ihr wart dort Vorreiter. Beim Newton 2000 hat das schon sensationell funktioniert. Wer will auf einem Tablet Computer (egal von welchem Hersteller) mit einer Bildschirmtastatur tippen? Das geht nur wenn es a) auf dem Tisch liegt, oder wenn man b) auf der Couch liegt und die Knie angezogen hat. Und HTC hat gezeigt, das es auch Plastikstifte gibt, die auf kapazitiven Bildschirmen funktionieren.
  9. Keine Kamera. Mikrofon ja, Minilautsprecher ja, Kopfhörer ja, aber keine Kamera? Wie sehr würde das rocken, auf so einem Ding Skype (oder iChat) Vidokonferenzen zu haben? Das wäre ziemlich Star Trek, oder? Wie um alles in der Welt kann man sowas nicht vom ersten Tag an ins Lastenheft schreiben?
  10. Kein Multitasking. Email und Facebook gleichzeitig? Geht nicht. Twitter und Skype gleichzeitig? Geht nicht. Browser offen haben und mal parallel ein PDF angucken? Geht nicht. Ein Programm, mehr geht nicht. Das ist – bei allem Respekt – idiotisch.

Der Preis – 500 bis 830 Dollar – ist wie immer zu hoch. Da empfehle ich doch das hier. Für 100 Euro würde ich es mir ehrlich gesagt noch überlegen. Als kleiner Webbrowser für die Couch / den Nachttisch. Aber das geht nun mal gar nicht. Nicht bei den gravierenden Designfehlern.

Und so coole Features, wie ich sie erwartet habe – z.B. eine Steuerung des Heimrechners oder zumindest von Apple TV, also irgendetwas, was naheliegend ist, fehlen völlig. Na ja, aber es hat ja einen Kompass. Wird ziemlich intelligent aussehen, mit dem iPad in der Horizontalen durch eine Fußgängerzone zu navigieren. ;-) – Achso, GPS-Empfänger nur in der teureren 3G Variante. Weil der Bestandteil des Modems ist, logischerweise.

Mögliche Überraschung im Fall Apple iTablet

Eventuell gibt das eine Enttäuschung für alle Apple Fans:
Apple Tablet 26. Januar 2010

Originalbild in sehr hoher Auflösung hier:
appletv25.jpg JPEG-Grafik, 1750×2479 Pixel

So wird das Apple Tablet

Nun ist ja jeder gespannt, ob das Apple Tablet wirklich existiert, und diesen Monat wirklich auf der außerplanmäßigen Pressekonferenz angekündigt wird. Und falls es existieren wird, was es überhaupt genau ist. Und wie es heißt.

Ich lasse mal die zweite Frage außer acht; der Name ist ziemlich egal, weil Apple seine Produktnamen (kennt noch jemand Powerbook und Powermac?) sowieso alle paar Jahre austauscht

Kommen wir mal zur ersten Frage. An der Stelle möchte ich anmerken, dass ich es als Marketer faszinierend finde, wie gut die Geheimhaltung bei Apple funktioniert. Sollte es denn wirklich das iTablet geben. Aber das ursprüngliche iPhone damals hat auch niemand gesehen, bevor es offiziell vorgestellt wurde. Von daher ist das Fehlen von gesicherten (Foto)Beweisen kein Indiz dafür, dass es kein Apple Tablet gibt.

Was wird es sein: Ich weiß es nicht. Ich schlussfolgere nur.
Es wird auf jeden Fall kein eBook Reader sein. Der Markt wäre für Apple (und für andere Firmen) viel zu klein. Wer liest heute noch? Und wer von denen, die noch lesen, würde sich mit einer DRM-Fessel wie Amazon Kindle zufrieden geben? Ich glaube nicht, dass Apple direkt vom Start weg die Literatur DRM-frei (also so wie physische Bücher) anbieten können wird. In Musikshops wie iTunes und Musicload hat es auch Jahre gedauert, bis man auf DRM verzichtet hat / verzichten konnte. Was mich zu dem bringt, was ich bereits gesagt habe: Der eReader Markt ist zu klein. Musik hört im Prinzip jeder, von daher war der iPod ein betriebswirtschaftlich logisches Produkt. Telefonieren tut auch jeder, von daher war das iPhone ein betriebswirtschaftlich logisches Produkt. Ein eReader von Apple? Den würden nicht einmal alle Hardcore-Apple-Jünger kaufen. Lohnt nicht.

Das iTablet wird kein “großes” iPhone sein. Das macht keinen Sinn. Das iPhone ist ein Smartphone mit stark eingeschränkter Funktionalität und 320×240 480×320 Bildschirm, den man mit einem Finger bedient. Bei einem Tablett welches A5 oder A4 groß ist, macht das keinen Sinn. Und wer will mit so einem Gerät schon telefonieren? Es wird mangels Tastatur auch kein vollwertiges Notebook sein. Und wenn es das schon nicht ist, dann denke ich, es geht in die Richtung “Netbook mit Touchbedienung”. Neues Betriebssystem auf Mac OS X Basis, 10 Finger Multitouch. Wenig Leistung, wenig Funktion (ganz so wie das iPhone am Anfang) – aber das, was es kann, ist dann geschmeidig zu bedienen. Vielleicht mit 3G Modem und wieder an Mobilfunkprovider gebunden. Hauptsächlich ein Internetsurfgerät. Und Musikdateien und Youtube Videos wird es auch abspielen können.  Und die privaten Fotos vom Desktoprechner anschauen können. Evtl. als Fernbedienung für Apple TV dienen. Oder für den Mediaplayer am Desktoprechner. Eben ziemlich genau ein Mittelding zwischen iPhone und MacBook. Das Netbook von Apple. Konsequenterweise ohne Tastatur.

Mal sehen, ob ich richtig geraten habe. Oder ob es gar nix gibt. ;-)


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