Ein unnützes Produkt, welches der Welt nur schadet – und doch zahlen Leute extrem viel Geld dafür

In den letzten Tagen habe ich mir einige Gedanken gemacht. Über ein bestimmtes Produkt. Dieses Produkt ist komplett nutzlos, es ist nicht einmal außergewöhnlich schön, ein reines Sammlerobjekt. Vergleichbar schöne und nutzlose Produkte mit allen Eigenschaften des einen Produktes können für weniger als ein Tausendstel des Preises hergestellt werden. Aber die Kunden wollen das „Original“. Um das bestimmte Original-Produkt herzustellen, braucht man einen seltenen Rohstoff. Dieser Rohstoff befindet sich in der Erde, und wäre ohne das Produkt völlig wertlos, weil er sonst zu nichts zu gebrauchen ist. Beziehungsweise alle Verwendungsmöglichkeiten außer die als Sammlerobjekt würden die Kosten nicht rechtfertigen. Das Original-Produkt als Sammlerobjekt lässt sich sehr teuer verkaufen. Je nach Produkt können sogar siebenstellige Preise erzielt werden.
Der Rohstoff kommt sowohl in Entwicklungsländern als auch in Industrienationen vor, vereinzelt auch in den Schwellenländern. Um den fiktiv wertvollen Rohstoff zu fördern, werden gigantische Minen angelegt, die weitflächige Naturlandschaft auf Jahrzehnte verschandeln und massive Eingriffe in Flora und Fauna darstellen. Wer mal gesehen hat, wie langsam ein Wald (also die Bäume) wächst, kann sich ungefähr vorstellen, wie lange es nach Stilllegung einer solchen Minenlandschaft dauert, bis die Natur und die Tierwelt wiederhergestellt sind. In den unterentwickelten Ländern kommt noch hinzu, dass die Minenarbeiter mit simpelsten Mitteln und für Hungerlöhnen, die eher an ökonomische Sklaverei erinnern, schürfen. Die Kosten für die Bergung des Rohstoffes sind zwar sehr höher als zum Beispiel bei Kohle oder Eisen, aber nicht wirklich verantwortlich für den späteren Verkaufspreis; der ist fiktiv, weil das Endprodukt und der Rohstoff ja wie gesagt keinen Nutzwert hat. Aber durch die hohen Verkaufspreise gibt es zwischen den Minenarbeitern und dem Endkunden natürlich eine Menge Zwischenhändler und Dienstleister (Veredelung und Herstellung), die sehr viel Geld verdienen. Und gerade in politisch und vor allem wirtschaftlich instabilen Ländern wird deswegen um den Rohstoff Krieg geführt, bzw. Gewaltverbrechen verübt.
Kurz gesagt; damit sehr reiche Menschen sich ein nutzloses, vermeintlich gutaussehendes Produkt kaufen können, wird die Natur zerstört und hundertausende Menschen getötet und Kriege geführt.
Und das, obwohl ein gleichwertiges Produkt für weniger als ein tausendstel des Preises leicht industriell hergestellt werden kann (und auch wird). Und nur darum geht es: Die Käufer des Originals wollen zur Schau stellen, dass sie sich das Original leisten können. Dessen Wert jedoch nur so hoch ist, weil es diese Käufer gibt, was völlig absurd ist. Und die mit der Rohstoffbeschaffung verbundenen Probleme ignorieren diese Käufer, oder nehmen sie billigend in Kauf. Ich weiß es nicht.

Worum es sich handelt? Diamanten. Beziehungsweise Zirkonia.

Mit den Dingen, die ich gerade aufgezählt habe, kann ich eigentlich nie reinen Gewissens Natur-Diamanten (weil „echt“ sind sie ja alle) kaufen. Im Gegenteil, ich (wenn ich denn Diamantschmuck kaufen würde) wäre stolz darauf, dass ich Zirkonia gekauft habe. Das ist ökologisch vernünftig und im Prinzip „Fair-Trade“. Für meine Diamanten müsste kein Mensch sterben und/oder kein Wald gerodet werden.

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